Bei den paarig angelegten Organen des menschlichen Körpers besteht immer die Möglichkeit, Seitendifferenzen festzustellen, Normvarianten zu erkennen und auch Fehlbildungen zu bestimmen.
So ist zum Beispiel an der Hand ein zusätzlicher Finger mit Sicherheit eine kongenitale (angeborene) Handfehlbildung. Die Fehlerursache ist entwicklungsbedingt zu klären. Diese Sicherheit ist bei der Beurteilung von Fehlbildungen oder Normvarianten der weiblichen Brust nicht ohne weiteres gegeben; Differenzen in Form, Größe, Struktur und Aussehen sind häufig.
Während andere Fehlbildungen (Anomalien) meist bei der Geburt festgestellt werden können, beginnt die Ausbildung der weiblichen Brust - die Telarche - cirka 12 Jahre nach der Geburt und leitet eine Phase der großen Umstrukturierung des Körpers ein: Den Übergang vom Mädchen zur Frau.
Eine sich abzeichnende Ausbildung einer Brustfehlbildung belastet die Psyche des Mädchens oder der Frau erheblich, sie kann entsprechend Defizite im Gefühl Ihrer Weiblichkeit entwickeln, der entstehende Leidensdruck kann sich in mehreren psychischen Erkrankungen und Minderwertigkeit manifestieren. Es beginnt eine Phase, in der Verständnis und Hilfe besonders notwendig ist. Unterstützung kann und sollte von der Familie oder der behandelnden Klinik kommen.
Die Anzahl der Normvarianten ist sehr groß, die Definition einer echten Brustfehlbildung schwierig.
Brustfehlbildungen oder Fehlgestaltungen der Brust können sich ausbilden durch vor der Geburt einsetzende, genetisch bedingte Entwicklungshemmungen (Aplasie, Agenesie, Hypoplasie) oder als Mehrfachbildungen (Polythesie, Polymastie, Ektopie).
Die meist gewählte Einteilung von Brustfehlbildungen bezieht sich auf die vorgegebenen anatomischen Strukturen.
1. Mamillen-Areolen Komplex (MAK)
2. Brustdrüse
3. Nachbarstrukturen (Brustwand)
Die tubuläre Brustfehlbildung ist die häufigste Fehlform der weiblichen Brustentwicklung.
Die Ursache ist noch nicht definitiv geklärt. Es wird heute angenommen, dass es in der Fetalperiode zu einer Fehlmodulation der Drüsengänge kommt, die nicht in ihr Umfeld einwachsen und sich verlängern, sondern hinter der Areole (Warzenvorhof) wie in einer Knospe verschlossen liegen bleiben. Mit Einsetzen der Pubertät und der Größenzunahme der Brust kann das Gewicht des wachsenden Drüsenkörpers nicht mehr von der Areole gehalten werden und kann durch die Faszienstrukturen (Bindegewebs-strukturen) vorfallen.
Folgende Parameter sind für die Diagnose tubuläre Brustfehlbildung wichtig:
